Samstag, 4. Oktober 2008

China und das Evangelium


Viele Bücher befassen sich hierzulande mit dem aufwachenden Wirtschaftsgiganten des Fernen Ostens.
Viel wichtiger und aufregender jedoch ist die unglaubliche geistliche Dynamik, die sich im bevölkerungsreichsten Land der Welt abspielt. Als Mao Tsedong 1949 die kommunistische Ära seines Landes einleutete, schätzte man, dass es 700.000 chinesische Christen gab. Mao sah dies als Frucht imperialistischer Politik an und verwies daher alle westlichen Missionare des Landes. Durch systematische Verfolgung und staatliche Kontrolle versuchte er das Christentum einzudämmen. Heute – knapp 60 Jahre später – leben in China 130 Millionen Christen, so zumindest hieß es in einer offziellen Verlautbarung der chinesischen Regierung Anfang diesen Jahres. Trotz staatlicher Verfolgung und ohne die technologischen Hilfsmittel westlicher Kirchen wuchs die Kirche um das 180-fache!
China galt noch vor 200 Jahren als unerreichtes Missionsland. Heute sendet China mit seinen unzähligen dynamischen Gemeinden, die sich im Untergrund meist als Hauskirchen organisiert haben, selbst Tausende Missionare in alle Welt.

Als das kommunistische Regime unter Mao feststellen musste, dass der christliche Glaube nicht aus den Köpfen seiner Bürger zu verbannen ist, wurden staatlich streng kontrollierte offizielle Kirchen zugelassen. So entstanden die evangelische „Drei-Selbst-Bewegung” (TSPM) und die „Katholisch-Patriotische-Vereinigung” (CPM). Diese Kirchen sind vielen staatlichen Einschränkungen unterworfen. Zum Beispiel dürfen Kinder und Jugendliche offiziell weder getauft noch religiös unterwiesen werden. Auch in der Öffentlichkeit wird jede Art von „Propaganda” strengstens überwacht. Alle Mitglieder müssen sich offiziell registrieren lassen. Ihnen werden kontrollierte Mengen von Bibeln zur Verfügung gestellt. Viele Gläubige wollten sich aber diesem staatlichen Diktat nicht beugen, weil sie ihren persönlichen Glauben zu sehr eingeschränkt sahen. So entstanden unzählige nicht registrierte Hauskirchen, die sich völlig im Untergrund ausbreiteten. Vor allem diese Gruppen hatten und haben bis heute mit Diskriminierung und Verfolgung zu kämpfen. Internationale Missionswerke, die heute in China arbeiten, beurteilen die Lage der Christen und deren Grad an Verfolgung deshalb unterschiedlich, weil sie, je nachdem, mit den einen oder anderen Gruppen zusammenarbeiten.

Auch wenn sich die Lage der Christen in China im Vergleich zu früheren Jahren schon verbessert hat, ist Christenverfolgung in China nach wie vor ein Thema. Es ist zwar nicht mehr so schwer, Bibeln zu erhalten und gemeinsame Gottesdienste zu feiern. Wer sich aber in einer nichtregistrierten Kirche engagiert und womöglich noch missionarisch aktiv ist, wird genau beobachtet und sehr oft auch verfolgt. Vor allem Gemeindeleiter werden meistens mit fadenscheinigen Begründungen zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt. Dass Menschenrechtsverletzungen in China noch nach der Olympiade an der Tagesordnung sind, ist unbestritten. Darum wird sich CSI weiter für die verfolgten Christen in China engagieren und mit Protestaktionen Einzelschicksale international bekannt machen.

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