Schwierige Schulklassen, Gewalt auf dem Schulhof und freigestellte Lehrer haben die öffentliche Diskussion um die Zukunft unseres Bildungssystems belebt.
Vieles an unseren Schulen läuft bestimmt nicht so, wie es sollte. Vieles funktioniert nicht zum Wohl des Schülers, und manche Probleme werden mangels Energie, Zeit und vielleicht auch Unfähigkeit heimlich unter den Teppich gekehrt. Allzu vieles gehorcht sogenannten Sachzwängen, und willigen Lehrern bürdet man viel zu viele Aufgaben im schulischen Umfeld auf. Das Kerngeschäft, die Vermittlung von Fertigkeiten und die Förderung von Fähigkeiten und Begabungen des Kindes und des Jungendlichen, bleibt oft auf der Strecke. Dazu kommt, dass wir Lehrer uns immer öfter mit Erziehungsaufgaben konfrontiert sehen, welche eigentlich zu den Aufgaben der Eltern gehören, die es versäumen, sie wahrzunehmen. Kinder sehen sich mit Problemen konfrontiert, welche die Erwachsenen nicht lösen können oder wollen, weil sie selbst mit ihren eigenen Schwierigkeiten kaum zu Rande kommen.Da kommt eine ziemlich dümmliche Verlautbarung einer grossen Partei genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Emotionen hochzukochen. Jeder Leser urteile selbst.
------------------
Vorwärts in die Vergangenheit: Die SVP will Schule machen
Von David Schaffner. Aktualisiert am 30.09.2008
Artikel zum Thema
Die SVP will ihren Angriff auf die modernen Schulen in den nächsten Monaten verstärken. Präsident Toni Brunner sagt: «Die Bildung wird zu einem Schlüsselthema der Opposition.» Eine Arbeitsgruppe um Alt-Nationalrat Ulrich Schlüer hat zwei neue Grundsatzpapiere erarbeitet, die dem TA vorliegen. Mit diesen Forderungen will die SVP an den Schulen und in der Lehrlingsausbildung für Ordnung sorgen:
Klare Noten und Leistungslohn für Lehrlinge: Die SVP verlangt, dass alle Soft-Kriterien aus den Zeugnissen verschwinden. Die Beurteilung soll sich auf nachvollziehbare Noten stützen und Lehrmeistern eine sichere Leistungsbeurteilung ermöglichen. Ein einziger Lehrer soll die Noten geben, nicht mehr verschiedene Fachlehrer. Diese würden die Schüler zu wenig gut kennen. Für Jugendliche soll die Leistungsbereitschaft spürbare Folgen haben. «Wir wollen, dass der Prüfungserfolg nach dem neunten Schuljahr Einfluss auf den Lehrlingslohn hat», sagt Schlüer.
Mehr Übertrittsprüfungen: Für die SVP ist es eine Illusion, dass Kinder lustbetont lernen können. Sie will mehr Fleissaufgaben wie Kopfrechnen und Konjugieren. Die Schule soll die Leistungen öfters prüfen und die Schüler je nach Können separieren: «Die Schüler müssen am Ende des dritten, sechsten und neunten Schuljahres eine Übertrittsprüfung bestehen», fordert Schlüer. Wer durchfällt, wiederholt die Klasse.
Gute Schüler bleiben unter sich: Die SVP will die Schüler konsequent nach ihrem Können trennen: «Wir wollen zurück zur Dreigliedrigkeit mit Sek, Real und Oberschule», sagt Schlüer und verweist darauf, dass diese Bezeichnungen je nach Kanton variieren. Die Sek soll die Schüler auf anspruchsvolle Berufe oder ein Studium vorbereiten. Die Realschule auf ein Handwerk. Die Oberschule soll die «Disziplin, den Sinn für die Ordnung und die Zuverlässigkeit stärken», so Schlüer.
Strenge anstatt Therapien: Die SVP will, dass künftig die meisten Therapeuten von den Schulen fliegen: «Der Therapeut weckt beim Schüler mit Schwierigkeiten bloss Verständnis für die eigenen Schwächen», sagt Schlüer. «Ein guter Lehrer kann mit heiterer Strenge bewirken, dass ein Kind seine Schwächen überwindet.» Von integrativem Unterricht will die SVP nichts wissen: Verhaltensauffällige und körperlich mehrfach behinderte Schüler gehören laut Schlüer in eine Sonderschule.
Lehrer als Autoritätsperson: «Der Lehrer ist eine Führungsperson und nicht ein Coach», sagt Schlüer. Damit die Lehrer wieder in die Rolle als unangefochtene Autorität wachsen, sollen sie mehr Freiheit erhalten: «Die Lehrer wählen die Methoden selber. Die Schule gibt nur noch die Lernziele vor», so Schlüer.
Klassenlehrer ersetzten Fachlehrer: Für die SVP ist die Ausbildung der Lehrer zu kopflastig: «Ein Lehrer muss drei Kernkompetenzen haben», sagt Schlüer. «Er kennt den Lernstoff, verfügt über pädagogische Kenntnisse und kennt die Grundsätze, wie man Ordnung und Disziplin in ein Klassenzimmer bringt.» Angehende Lehrer sollen mehr Praktika absolvieren, damit sie lernten, mit schwierigen Schülern umzugehen. Künftig soll eine Klasse nicht mehr von mehreren Fachspezialisten unterrichtet werden, sondern von einem Klassenlehrer. Dies diene der Disziplin. Die Kantone sollen wie früher drei Typen von Oberstufenlehrer ausbilden: den Reallehrer sowie den sprachlich-historischen und den mathematisch-naturwissenschaftlichen Seklehrer.
Praxisjahr in der Wirtschaft: Die Schule soll die Kinder besser auf das Berufsleben vorbereiten. «Wir verfolgen die Idee, dass jeder Oberstufenlehrer in den ersten zehn Jahren nach Berufsantritt ein Praxisjahr in der Wirtschaft absolviert», so Schlüer. Das Effizienz–Denken, das die Berufswelt präge, müsse Schulstoff werden. Lehrer könnten es nur vermitteln, wenn sie es selber kennen würden.
Dresscode für Lehrer: Die SVP will Standards festlegen, wie sich die Lehrer zu kleiden haben: «Eine ungepflegte Erscheinung tolerieren wir nicht mehr», sagt Schlüer. Ein Lehrer müsse äusserlich ein Vorbild sein, damit er im Schulzimmer als Autorität walten könne.
Nach dem Luzerner Erfolg will die SVP nachsetzen. Ein parteiinternes Gremium aus Bildungspolitikern hat die Papiere Schlüers bereits genehmigt. Demnächst dürfte die Parteileitung seine Grundsätze zur offiziellen Doktrin erklären.
Ein Lehrer muss auch äusserlich Vorbild sein, um Autorität zu haben, sagt Schlüer. (Tages-Anzeiger)Lies auch dies:
http://dasmagazin.ch/index.php/warum-ich-nicht-mehr-lehrer-bin/
Sphere: Related Content




0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen